Teil 2.1: Das "Arbeitskapital" des Pädagogen


Im Bewusstsein des Pädagogen darf kein Zweifel darüber bestehen, worin sein eigentliches "Arbeitskapital" besteht.

Es hat nichts mit Geld zu tun, und ist genau so wenig seine Strenge, wie es seine Großzügigkeit ist. Unbestritten sind diese Eigenschaften - weise eingesetzt - von großem Vorteil. Worin besteht dann sein Kapital?

In Wahrheit bringt der junge Mensch seine Bereitschaft mit und legt sie im vollen Vertrauen in die Hände des Pädagogen. Dies ist tatsächlich sein einziges Kapital. Der junge Mensch möchte Bildung erwerben und für dieses Ziel nach Kräften beitragen, mitwirken. Diese Bereitschaft ist das einzige Kapital des Pädagogen, er muss damit sorgsam umgehen. Wenn er dieses vergeudet, bleibt ihm nichts - außer Überredung, Belohnung, Strafe oder Gewalt.

Diese Bereitschaft ist "von Natur aus" in jedem jungen Menschen vorhanden, bis er von der erwachsenen Umwelt davon "überzeugt" wird, dass weder seine Bereitschaft erwünscht, noch seine Einzigartigkeit anerkannt sind. Wer daran zweifelt, hat leider noch nie das Glück erlebt, ein gesundes freies Kind beim Lernen zu beobachten.

Herkömmliche Methoden der Erziehung haben in Strenge, Zucht und Ordnung besondere Werte gesehen. Viel zu oft wurde damit die Einzigartigkeit junger Menschen gebrochen und durch "braven Gehorsam" ersetzt - die Weltliteratur legt dafür beredetes Zeugnis ab. Desinteresse oder Weigerung wurden als straf-würdige Persönlichkeitsmängel betrachtet, die "ausgetrieben" werden mussten. Und ein zum Nachgeben führendes Überreden oder Verspechen auf Belohung hat mit der natürlichen Bereitschaft nichts mehr zu tun. Damit entwickelt man eher eine Bereitschaft zur Prostitution.

In Wahrheit jedoch ist für jeden, der ausreichendes Verständnis des Menschen entwickelt hat, offensichtlich, dass solche Ablehnung nur (ungeschickte) Reaktion gegen die erfahrene Behandlung ist, mit der der junge Mensch nur seine Integrität schützen will, sie zu verteidigen sucht.

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